8. Barbara Christine Henning, München

Vita
1954 geboren in Erlangen
1973 – 1974 Studium an der RWTH Aachen: Kunstwissenschaften, Germanistik
Werkkunstschule Aachen: Graphikdesign
1974 – 1977 Studium der Kunsterziehung u. Kunstgeschichte, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
1977 – 1983 Studium der Bildhauerei, Akademie der bildenden Künste München
parallel dazu: klassische Gesangsausbildung bei Christel Borchers und Dietrich Schneider
1982 Meisterschülerin
1983 Diplom der Bildhauerei, 1. Staatsexamen Kunsterziehung
seit 2002 Lehrtätigkeit an der Fachhochschule München, Fachbereich Architektur
2007 – 2009 Lehrtätigkeit FH Coburg
2008 Dozentin an der Sommerakademie in Neuburg/Donau
2014 / 15 Professorin für Gestalten und Darstellen an der Hochschule für angewandte Wissenschaften München, Fakultät Architektur
Preise und Stipendien
2002 Pasinger Kunstpreis
2001 1. Preis (Kunstpreis) der Stadt Bad Wörishofen
1994 Stipendium des Hochschulsonderprogramms II der Akademie der Bildenden Künste in München
1980 Projektstipendium der Stadt München
Kuratorische Tätigkeit
2002 – 2007 Mitglied der Auswahlkommission der Stiftung Kunstfonds
2001 Ausstellung „Amazone mit Homepage“ Akademie für Politische Bildung, Tutzing, Obb.
2002 Ausstellung „Zeughaus – arsenal des alltäglichen“(GEDOK), Toskanische Säulenhalle, Augsburg
2000 – 2010 Offene Ateliers-Pasing, München
1996 Ausstellung „Raumkonzept Kubus“ (GEDOK), Pasinger Fabrik, München
1994 – 2006 Kunst am Hof“ mit Hermann Bigelmayr in  eigenen Räumen
1985 Gründung der Künstlergruppe „Prisma Sculturale“
Ausstellung „Fläche-Volumen“(GEDOK), Rathausgalerie München
Website www.barbarahenning.de
Instagram @b.c.henning
Arbeit 8a DER GANG DER DINGE
Material Zen-Garten mit eingefurchten Schriftzeichen
Jahr 2021
Größe 3 Beete à 20 m x 3,10 – 4,12 m
Arbeit 8b SPUREN IM BEET – ABKÜRZER
Material Beetflächen mit Pflanzen und Kräutern überwuchert
Jahr Schrifttafeln, Trampelpfad
Größe 3 Beete à 20 m x ca 3 m – ca 4 m
Arbeit 8c BODENARCHIV
Material doppelbödiges Holzregal / Fotodruck auf Alu-Dibond
Jahr 2021
Größe 263 cm x 143 cm x 120 cm

BODEN – ARBEIT

Das Gesamtkonzept konzentriert sich in allen Teilen auf die „Böden“, bzw. das, was auf dem Gelände zu sehen ist oder zu sehen war.
Ein großer Teil des Projektes findet direkt auf den stillgelegten Beetflächen im Gelände statt. Hier werden sechs nebeneinanderliegende 20 Meter lange Beet-Streifen performativ bearbeitet. Um den Flächen eine herausgehobene Visualisierung zu verleihen, sind die Oberseiten der Betoneinfassungen weiß gestrichen.

„DER GANG DER DINGE“

Auf den drei, vorwiegend mit Kies bedeckten Flächen werden japanische Schriftzeichen eingefurcht: Wind – Weg – Wasser. Die dafür vorgesehenen Kiesfelder bekommen zunächst mit dem Rechen ähnlich wie ein traditioneller Zen-Garten eine erkennbare Struktur. Dann werden die Schriftzeichen eingefurcht, so dass eine deutliche Spur diese überdimensionalen Zeichen der japanischen Schreibschrift erkennbar ist. Je nach Witterung wird sich das Gelände immer wieder verändern und die Zeichen sind nur noch zu erahnen. Die Flächen müssen daher immer wieder neu bearbeitet und „beschriftet“ werden. So entsteht ein sich stets wandelnder kontinuierlicher Prozess, der einerseits durch Witterungseinflüsse bestimmt ist und bei dem zum anderen immer wieder durch menschlichen Eingriff eine bestimmte Form „erzwungen“ wird.

PERFORMANCE: „ DER WEG“

Bei dieser Tret-und Schießperformance werden die Zeichen einerseits erneuert, aber auch beschädigt: Um den ritualisierten Charakter dieser mit den Füßen getretenen Schriften zu unterstreichen, findet diese Aktion in Kombination mit einer Kyudo-Schieß-Performance (mit japanischem Langbogen) statt. Im traditionellen Japan gibt es viele „Wege“, die jeweils immer auch als „Künste“ bezeichnet werden. Allen gemeinsam ist die kontinuierliche Praxis und die Konfrontation mit den eigenen Unzulänglichkeiten. So gibt es immer den Weg, der niemals endet und immer wieder gegangen werden muss. Die hier in den Sand getretenen Schriftzeichen müssen immer wieder neu verdeutlicht werden, genauso wie der Bogenschütze sich immer wieder mit dem eigenen Unvermögen konfrontiert sieht. Einige dieser japanischen traditionellen Wege beinhalten auch ein ritualisiertes Gehen, das man eher als ein „Schlurfen“, ein am Boden „schleifen“ der Füße bezeichnen könnte, da hierbei die Füße nicht vom Boden abgehoben werden. Diese „Geh-Technik“ ist besonders geeignet, um die Schriftzeichen in dem Sand zu treten. Bei dieser Performance wird zunächst das Zeichen „getreten“ und dann auf das geschriebene Zeichen auf der Zielscheibe, dem sog. Mato zweimal geschossen (der Kyudoka hat immer zwei Pfeile). Die beschossenen, sozusagen „verletzten“ Schriftzeichen werden anschließend ausgestellt.

„SPUREN IM BEET – ABKÜRZER“

Inhalt dieser interaktiven Arbeit ist das Phänomen des „Abkürzers“: Man findet sie überall im Gelände und benutzt sie gern, die „Weg-Abschneider“, die meist diagonal den Fußweg von A nach B verkürzen. Vielerorts wird das sogar durch Schilder untersagt, entweder wegen Eigentumsverletzung oder aus Gründen von Landschafts- oder Umweltschutz. Dennoch gibt es auch ein Gewohnheitsrecht, das das Begehen von „Abkürzern“ sogar legalisiert. Hier im Areal von „Wurzelspitzen“ ist das Betreten der Beet-Anlagen im Prinzip auch unerwünscht. Nur in diesem speziellen Bereich wird auf Schilder und mit Markierungen auf dem Boden explizit zum Begehen der Beete aufgefordert.
Ein durch die drei nebeneinanderliegenden, mit unterschiedlichen Pflanzen bewachsenen Beete führender, diagonaler Trampelpfad entstehen dadurch, dass möglichst viele Menschen ihn benutzen und er stetig sichtbarer wird. Um die Aufforderung zum Begehen zu unterstützen, ist auf den Wegen zwischen den Beeten jeweils ein Zebrastreifen aufgemalt. Die jeweiligen „Eingänge“ sind am Boden mit einem weißen Richtungspfeil markiert und ein Schild fordert mit der Aufschrift „Trampelpfad bitte betreten“ zum Benutzen der „Abkürzer“ auf.

„BODENARCHIV“
Doppelregal in der Verkaufshalle

Begleitend zu den interaktiv-performativen Projekten im Außenbereich wird in der Verkaufshalle ein doppelbödiges Regal mit collagierten Tafeln sukzessive bestückt.
Dieses spezielle Regal mit zwei übereinanderliegenden Ebenen soll sich im Laufe der Zeit immer mehr mit „Bodenstücken“ füllen. Auf den unterschiedlich großen Tafeln sind fragmentarische Foto-Versatzstücke aus Vorgefundenem und im Prozess Entstandenem in frei assoziierter Collage zu sehen. Dadurch, dass die Regalflächen zunächst „ungefüllt“, also ohne jeglichen Boden sozusagen leer und durchlässig wie ein Fachwerk ohne Füllung „daliegen“, wird der fragmentarische Charakter deutlich. Wie, wenn aus dem Gedächtnis immer mehr Erinnerungs-Versatzstücke auftauchen, erscheinen hier im Regal mehr und mehr Bodencollagen, die einerseits „Augenblicke“ aus der Vergangenheit des Geländes der ehemaligen Gärtnerei Demmel zeigen, andererseits auch die Dokumentation der Veränderungen während des Performance-Prozesses auf den Beet -Flächen im Außenbereich immer wieder neu dokumentieren. So füllen sich allmählich die beiden Ebenen mit Bildern unterschiedlicher Größe und ergeben letztlich ein puzzlehaftes „Neues Ganzes“.