15. Herbert Nauderer, Münsing

Vita 
1958 geboren in Fürstenfeldbruck
1974 – 1977 Lehre zum Drucker
1980 – 1986 Studium/Akademie der Bildenden Künste/München
Seit 1986 Bildender Künstler und Musiker
Seit 1995 Lehrauftrag an der Fachschule für Holzbildhauer und der Fachakademie für Raum- und Objektdesign, Garmisch-Partenkirchen
2016 – 2018 Vertretungs-Professur für Zeichnung an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig
Ausstellungen (Auswahl)
2021 DAS HAUS DES ERFINDERS, Städtische Galerie Rosenheim
2020 DER DÜSTERE TAG, Künstlerhaus Marktoberdorf, Museum für zeitgenössische Kunst mit Duncan Swann und Martin Paulus
2019 THE BIG SLEEP, Haus der Kunst München, (Gruppenausstellung)
2018 Herbert Nauderer, THE MADHOUSE, Goldstein Galerie, Frankfurt a.M.
(Kurator Andreas Bee)
2017 Herbert Nauderer_PARASITE ISLAND, Galerie der HBK, Braunschweig
Herbert Nauderer, THE MADHOUSE, zeichnerische Reflexionen zu Goya, Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig
2016 Herbert Nauderer_PARASITE ISLAND, Kallmann-Museum Ismaning
PARASITE ISLAND, Kurzfilm mit Sibylle Canonica und Josef Bierbichler
Auszeichnungen/Stipendien
2021 DAS HAUS DES ERFINDERS
Projektstipendium der Erwin und Gisela von Steiner Stiftung
Projektstipendium des Vereins Ausstellungshaus für christliche Kunst, München
2012 + 2016 Kunstpreis der Stadt Fürstenfeldbruck
Website www.herbertnauderer.de
Instagram @herbertnauderer
Arbeit 15 Sektor 21_das Labor
Material Multimedia Rauminstallation
Jahr 2021
Grösse Raumgreifend

Sektor 21_das Labor

Die Installation «SEKTOR 21_das Labor» stellt eine Erweiterung meiner aktuellen Ausstellung “Das Haus des Erfinders“, in der Städtischen Galerie Rosenheim dar und spielt mit Videos, vorgefundenen Objekten, dem Mobiliar, Geruch und der Stimmung in den Räumen der alten Gärtnerei.
Im Zyklus „Das Haus des Erfinders“ nehme ich Bezug auf Ereignisse der deutschen Geschichte, auf aktuelle Geschehnisse, Traumata und Verschwörungstheorien, aber auch auf Dokumente einer privaten, fiktionalisierten Biografie des „Erfinders“ und einer rätselhaften Expedition.
Im November 1958 macht sich ein Expeditionsteam auf, um Parasite Island, eine geheimnisvolle Insel nahe dem südlichen Polarkreis, zu erkunden. Handelt es sich um ein militärisches Unternehmen oder dient die Expedition rein wissenschaftlichen Zwecken?
Zeichnungen, Karten, fragmentarische Aufzeichnungen, Tagebucheintragungen, Fotografien und diverse Fundstücke geben Zeugnis von der Reise, von der kein einziger Teilnehmer zurückkehrte.
Die Installation «Sektor 21_Das Labor» in der Gärtnerei ist Teil dieses Zyklus.
Landschaftsaufnahmen auf Parasite Island und ein Film mit unklaren Geschehnissen und seltsam verhüllten Bewohnern liefern rätselhafte Einblicke in das Leben auf der Insel. Handelt es sich um Gefangene, um überlebende Expeditionsteilnehmer? Welche Rolle spielt der „Erfinder“?

Andreas Bee schreibt dazu (Auszug):
Vielleicht sollten wir das Werk des Künstlers Herbert Nauderer wie einen doppelseitig zu tragenden Mantel ansehen. Einerseits ist es eine Fundgrube für alle möglichen dunklen und hellen Vorstellungen, Illusionen und Fantasien. Andererseits vermittelt es sehr eindringlich und vielleicht sogar in erster Linie die Intention und den Weg eines Künstlers. Indem Nauderer sich die Freiheit nimmt, seine Faszination für Ambiguitäten und Ambivalenzen zu thematisieren und sie mit vielfältigen Irritationen zu würzen, indem er virtuos zwischen Fiktion und Realität springt, Realität fiktionalisiert und Fiktion realisiert, sich zwischen Fantasie und Wirklichkeit reibt und diese Reibung zur ästhetischen Quelle seiner Bilder und ihrer subjektiven Wirkung werden lässt , indem er sich mit Lust und gezielt zwischen alle Stühle setzt, verleiht er vor allem seinem künstlerischen Selbstverständnis Ausdruck. Für ihn ist Kunst offenbar nicht nur eine Sache von mehr oder weniger überzeugend vorgetragenen Behauptungen. Seine Kunst eröffnet Perspektiven und vermittelt, wie man sich zu etwas verhalten kann.
Wie auch immer man diese Bilder und Notizen letztlich ansehen und deuten mag, es zeigt sich wieder einmal, dass nur das wirklich Bedeutung erlangen kann, worüber wir in Bild und Schrift Zeugnis ablegt haben. In der Kunst, so sagt man, gehe es darum, etwas Unvordenkliches zu (er)finden. „Die einzige Möglichkeit der Erfindung aber“, so Derrida, „ist die Erfindung des Unmöglichen.

Das Buch «Das Haus des Erfinders_Tagebuch einer Expedition», neu erschienen im Kettler Verlag Dortmund, mit Texten von Andreas Bee und Tilman Spengler, liegt in der Ausstellung aus.