12. Susanne Kohler, Weilheim

Vita
1962 geboren in Arnsberg, aufgewachsen in München
1983 – 85 Kunststudium an der Sir John Cass Faculty of Art, London
(Schwerpunkt auf künstlerischer Fotografie)
1986 – 1991 Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB)
Experimental- und Kurzfilme mit Festivalbeteiligung
1988 Senatsstipendium für Fotografie, Berlin
1989 Ankauf der Serie „Silber + Gelb“ der Fotografische Sammlung, Martin Gropius Bau, Berlin
1992 „Jahreslabor. Ein Bericht“ Gruppenausstellung, Berlinische Galerie, Martin Gropius Bau, Berlin
1996 – 1997 Lehrauftrag für Plastisches Gestalten an der TU Berlin, Prof. Wolf Kahlen
1998 Übersiedlung nach Oberbayern (Bernried, Weilheim)
2008 „Neue Heimat“, eine Fotoinstallation im bäuerlichen Schlafzimmer des Stadtmuseum Weilheim
2011 Gründungsmitglied Kunstforum Weilheim e.V.
1. Vorsitzende seit 2015
2015 Gründungsmitglied der Künstlervereinigung Kunst im Kontext, Konzept – künstlerische Interventionen in Institutionen und im
öffentlichen Raum
2017 entsteht das Langzeitprojekt „Der verwundete Garten“ im öffentlichen Raum (im Rahmen der Sanierung einer Groß-Baustelle in Weilheim.)
2018 Fragile Moments, Ausstellung im Foyer der HypoVereinsbank, Weilheim
2019 Organisation und Beteiligung an der Kunstmesse Weilheim
2021 #Baustelle Heimat 2020, Einzelausstellung im Stadtmuseum Weilheim
Website www.susannedk.com
Instagram @photography.kohler
Arbeit 12a Aus der leuchtenden Mitte/from the shining center
Material Glasfenster, Tageslicht, Telemagenta transparente Fensterfolie, Stoffbahnen, 7 digitale Fotogramme auf Schilderhaltern
Jahr 2021
Größe ca. 15 m x 2 m
Arbeit 12b Root Work
Material Inkjet-Prints, Papier, mixed media
Jahr 2020
Größe 80 x 32 cm / gerahmt 46 x 108 cm

Das Fotografieren ist für mich eine Möglichkeit, mit meiner Umgebung „in Resonanz zu gehen“. Zunächst erfasse ich eine Situation mit der Kamera, wobei zusätzlich innere Bilder und Emotionen frei gelegt werden. Im Englischen heißt es „to take a picture“, etwas nehmen – ein Geben und Nehmen beginnt.
Über die Hinwendung zum Gegenüber entsteht ein Dialog, der neben dem Ausloten der formalen Gestaltungsmöglichkeiten, einen besonderen Akt des Sich-Verbindens darstellt.
Wenn Denken und Fühlen eine Balance bilden, zeichnet sich ein Thema ab.

#wurzelspitzen

Mein Beitrag zur wachsenden Ausstellung #wurzelspitzen entwickelt sich direkt nach der ersten Begehung des Areals der ehemaligen Gärtnerei.
Themen wie „Transformation“ und „Wandel“ drängen sich auf und die Spuren, die diesen Ort prägen, verweisen auf Wachstum und Bedingungen, die Wachstums-Prozesse begünstigen – Humus, Wasser, Licht – und die Spuren einer Familiengeschichte.
Der Ort des Glas-Gewächshauses hat sich auf dem Gelände über einige Wochen der Auseinandersetzung zu folgender Arbeit verdichtet…

„Aus der leuchtenden Mitte“ – eine Raum-bezogene fotografische Installation im Glas-Gewächshaus.

Der Prozess: Betrachtung/ Berührung / Verdichtung

Mit seinem Licht-Thema der Transparenz erinnert der Ort an ein Energie-Zentrum im Herzen des gesamten Geländes. Das wachstumsfördernden Mikroklima aus Licht und Wärme im Inneren des Glashauses, nimmt auf (Licht, Wärme, CO2), transformiert und assimiliert (O2) und verwandelt somit Energie – Das Prinzip der Fotosynthese dient als Orientierung für diese Betrachtungen.

Meine Arbeitsweise hier ist es, zunächst mit der Fotokamera einen Dialog mit dem Licht und dem Raum herzustellen, das „Vokabular“ des Raumes zu erfassen. Licht, gefiltert durch gebrochenes Glas, Textilien, Strukturen von Fenstereinfassungen. Filter schaffen Innen- und Außenräume, Farben und Farb-Kontraste sind eine weitere Variante des Lichts (der Magenta-Farbton der Fensterfolie entspricht der Komplementär-Farbe von Grün).
Die Sprache des Raumes wird übertragen in die Sprache der Fotografie. Es entstehen die digitalen Fotogramme. Die Schatten, die zu unterschiedlichen Tageszeiten über ausgelegte Papiere wandern, werden zu Fotografien, als Inkjet-Drucke auf diejenigen Schilderhalter angebracht, die zuvor Jahrzehnte lang Blumen- und Obstsorten auswiesen – nun beschreiben sie die Koordinaten von Licht, Raum und Zeit, dem Vokabular der Fotografie. Zahlen dienen im Allgemeinen der Orientierung – Datum, Uhrzeit, Raumkoordinaten – hier geben sie der Flüchtigkeit des Lichts eine Materialität.

Eine semi-transparente Stoffbahn zur Sonnseite hin ausgerichtet, wird zu einem Licht-Kollektor, der das Licht-Schatten-Spiel der Tageszeiten in einem immerwährenden Rhythmus abbildet.

Der Zweig in der Mitte des Raumes (ein Ast, dem gefällten Mammutbaum der ehemaligen Gärtnerei entnommen) treibt im fruchtbaren Klima des Gewächshauses und bildet neue grüne Blätter aus.

Mein Ansatz für die Intervention im Gewächshauses ist die Frage nach der „Energie“ dieses Ortes, verstärkt durch die Reduktion und Verdichtung seiner charakteristischen Schönheit und Sinnlichkeit. Ein hin-wenden und sich-einlassen ermöglicht ein Verstehen und Abschied-nehmen.
Die Bilder (,die bleiben) sind Spuren dieses Prozesses, auch zu sehen als Metaphern für diese Orte, für ein leuchtendes und transformierendes Prinzip „Leben“ in seiner Mitte.

„Root Work “ – eine fotografische Serie aus dem Jahr 2020

Wie oben so unten.

Im Kräuterbeet vor meinem Fenster kann ich das ganze Jahr über eine beeindruckende FormenVielfalt beobachten.

Gemäß dem Prinzip der Analogie entspricht dem Wachstumsprinzip ein – in der Erde verborgenes – Halteprinzip.

Was sind meine Wurzeln? Wohin wachse ich und was hält mich? Was hält noch zusammen, was besser loslassen…?

Ein der Welt auferlegtes Innehalten im Jahr 2020, führt mich über die Natur von Salbei, Rosmarin oder Schnittlauch zu zentralen Fragen des Seins.

Susanne Kohler, Mai 2021