Geschichte der Gärtnerei Demmel – 1902 bis 2020 – eine Seeshaupter Familiengeschichte

1902

Wilhelm Demmel (1880 bis 1941) gründet die Gärtnerei. Er stammte aus Seeshaupt, lernte Gärtner in München und bekam nach seiner Ausbildung ein Stück Land von der elterlichen Landwirtschaft.
Wilhelm Demmel verheiratete sich mit Therese, geb. Geiger (1885 bis 1982) aus dem nahen Hohenleiten. Sie hatten sechs Kinder, von denen vier das Erwachsenenalter erreichten, ein Sohn ist 1941 in Stalingrad gefallen.

„1902 hat Wilhelm Demmel an seinem Geburts- und Heimatort Seeshaupt, am Südende des Starnberger Sees, seine Baumschule gegründet. Aus kleinen Anfängen, einem 1 ha großen Acker heraus wuchs durch Gottes Segen, großen Fleiß, nimmermüdes Schaffen, mithilfe einer tüchtigen Gefolgschaft und Unterstützung eines treuen Kundenkreises, der heutige große Baumschulenbetrieb.“ (Wilhelm Johann Demmel im März 1952)

Das Sortiment umfasst von Anfang an Obst- und Ziergehölze, Stauden, Rosen, Friedhofsgärtnerei, Alleebäume und Heckenpflanzen.

1907

Neubau des „Wohnhauses für den Kunstgärtner Wilhelm Demmel“, geplant und gebaut vom Baumeister Xaver Knittl aus Tutzing.

Xaver Knittl hat in Seeshaupt unter anderem auch das Hotel Post, das Landhaus Stegmann und den Pfarrhof in Magnetsried gebaut.

1912

Älteste Kataloge der Gärtnerei

1932

Die Bäume werden in Stroh verpackt, mit dem Pferdefuhrwerk zum Bahnhof gebracht, in Waggons geladen und verschickt.

Die Arbeit war sicher anstrengend, insgesamt machen die Menschen aber einen gelassenen Eindruck…
(der mit dem Hut beim dunklen Pferd ist Wilhelm Demmel)

1938

Das Wohnhaus wird erstmals an- (im Osten) und umgebaut (Aufstockung).
Dabei geht viel vom ursprünglichen Charme verloren…

1941

Nach dem frühen Tod von Wilhelm Demmel führt sein Sohn Wilhelm Johann Demmel (1909 bis 1992) die Gärtnerei weiter.

Während der Kriegszeit baut man fast ausschließlich Obst und Gemüse an, um zur Versorgung des Dorfes beizutragen.

Wilhelm Johann Demmel wurde nicht zum „Kriegsdienst“ eingezogen, da der Betrieb für „kriegswichtig“ erklärt wurde …

1952

Jetzt wurden die vielen während des Krieges produzierten Obstgehölze zum allergrößten Teil verbrannt, keiner wollte sie mehr haben…
Die Gestaltung und Ausführung von privaten Haus- und Villengärten gewinnt mit dem wirtschaftlichen Aufschwung an Bedeutung. Viele öffentliche Anlagen in der Umgebung werden „vom Demmel“ gestaltet.
Das Geschäft florierte, die Familie wuchs, das Wohnhaus wurde um ein Geschoß aufgestockt, der Schuppen zu einer „Packhalle“ vergrößert.

Ende der 1950er Jahre

Im Luftbild sind die gärtnerischen Strukturen gut zu sehen: Erd- und Gewächshäuser, Gerüste zur Schattierung, Beete und Äcker.

Etwas versteckt hinter den Bäumen, ist in der Bildmitte die Villa des Kunstmalers Ebers (Ursprungsbau 1857, 1910 zur Villa umgebaut) zu erkennen, in der Graf Pocci und Thomas Mann gern zu Gast waren.

1973

Noch vor dem 65. Geburtstag übergibt Wilhelm Johann Demmel senior die Gärtnerei an Gabriele, geb. Baumgartner (*1938) und Wilhelm Hermann Demmel junior (*1936).

1974

Vier Generationen Demmel sind hier zu sehen – viele sind Gärtnerinnen und Gärtner geworden…

Im Luftbild ist die Nähe zum Ortskern sichtbar. Auf dem Gelände des „Hotel Post“, der späteren Seeresidenz, hatte die Gärtnerei bis etwa 1995 Flächen dazu gepachtet.

1975

Das Wohnhaus wird noch einmal angebaut – diesmal nach Westen. Der Schwager von Wilhelm Hermann Demmel, Erwin Sailer, ist der Architekt. Er schafft im „neuen“ alten Haus drei Wohnungen und großzügige, helle Büroräume.

Zwischen Haus und Straße wird ein „Schaugarten“ angelegt, um den Kunden Beispielpflanzungen zeigen zu können.

1981

Die Gärtnerei Demmel modernisiert noch einmal, der Trend geht zum „Gartencenter“: eine Gewächshausfirma errichtet eine Verkaufshalle in Leichtbauweise mit Kassenbüro an der Baumschulenstraße.

Hier werden den Kunden Gartenkeramik, abgepackter Dünger, Gartenwerkzeug und Sämereien präsentiert, gelegentlich finden bis heute beispielsweise Ikebana – Ausstellungen und Obstbaumschnitt – Workshops statt.

1994

Für den großen Lastwagen mit Kran und die Lieferwägen wird östlich des Wohnhauses eine neue Garage errichtet. Mit Platz für eine Werkstatt und Lager.

Im Sommer beginnen Gabriele und Wilhelm Demmel, ein „Austragshaus“ für sich selbst zu planen. Sie vertrauen dabei auf ihre frisch diplomierte Tochter (siehe Projekt ES18bS).

Im Vordergrund ist noch der sogenannte „Muttergarten“ zu sehen: angepflanzte Stauden zur Entnahme von Samen oder Stecklingen. Die Staudenabteilung produziert etwa 1.500 verschiedene Arten und Sorten!

Auf dem Luftbild von 1997 sind beide Gebäude gut zu erkennen.

2002

Gabriele und Wilhelm Hermann Demmel verpachten die Gärtnerei an ihren langjährigen Mitarbeiter, Dipl. Ing. (FH) Wolfgang Kopf, der sie bis heute führt.

Sie ziehen sich aufs „Altenteil“ zurück und legen einen Blumen- und Gemüsegarten an.

2007

Katharina Heider, geb. Demmel wird alleinige Inhaberin der Gärtnerei.
Sie ist gelernte Gärtnerin. Nach Praktika in einer italienischen Staudengärtnerei und den Münchner Landschaftsarchitekten Toni und Gottfried Hansjakob wechselte sie vom Gartenbau zum Hochbau und studierte in München an der Fachhochschule. Das Thema der Diplomarbeit ist ein Palmen-Schauhaus …

Sie übernimmt das Pachtverhältnis mit Wolfgang Kopf.

2011

Wolfgang Kopf kündigt den auf 10 Jahre angelegten Pachtvertrag.

Katharina Heider sucht den Kontakt mit der Gemeinde Seeshaupt, um mit dem Gemeinderat Ideen, Hinweise, Vorschläge und eventuelle Forderungen für das frei werdende Gelände zu diskutieren.

2016

Wolfgang Kopf führt die Gärtnerei Demmel als Pächter – glücklicherweise – weiter. Auf einer kleinen Fläche im Osten lässt Katharina Heider eine Blumenwiese ansäen.

Die Gemeinde Seeshaupt beauftragt Ende 2015 Regierungsbaumeister Bernhard Landbrecht einen Rahmenplan zu entwickeln, der das „Gärtnereiquartier“ und seine Umgebung im Ganzen und als Ganzes betrachtet. Sie erhält dafür Planungszuschüsse von der Regierung von Oberbayern.

Ende 2018 beschließt die Gemeinde den Rahmenplan. Dieser ist auf der Homepage der Gemeinde einsehbar.